#11 Review: The Italian Secretary (Caleb Carr)

  • Titel: The Italian Secretary
  • Autor: Caleb Carr
  • Verlag: Sphere
  • Erscheinungsjahr: 2005 (diese Edition 2015)
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: 288

Der Titel The Italian Secretary (Der italienische Sekretär) hört sich bereits spannend an und der Leser fragt sich direkt, was Sherlock Holmes und Dr. Watson mit einem italienischen Sekretär zu tun haben. Ist es der Klient der in die Baker Street kommt? Ist es der Bösewicht? Die Reise von Sherlock Holmes und Dr. Watson führt die beiden nach Schottland…

Worum geht es? [spoilerfrei]

Mycroft Holmes, der Bruder von Sherlock Holmes, schickt eine verschlüsselte Nachricht, die für den treuen Freund Watson ein großes Mysterium ist.

In der Nachricht geht es um die Sicherheit von Queen Victoria. Wenn bereits Mycroft Holmes eine Nachricht verfasst, dann kann man sichergehen, dass es sich um eine höchst politische Angelegenheit handeln wird. Sherlock Holmes und Dr. Watson werden nach Edinburgh eingeladen, um Holyrood House zu untersuchen. Dort fand ein grausamer Doppelmord statt, den die beiden untersuchen sollen. Die Körper der beiden Opfer wurden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Holmes spricht von einer übernatürlichen Kraft, die hier am Werk war.

Doch die kürzlichen Versuche das Leben der Queen Victoria zu beenden sind eng mit der Geschichte verbunden. Bereits der Tod von David Rizzio, einem Musiker und Freund der Marry Queen of Scots war bereits brutal. In der Zeit zu Sherlock Holmes wird nun behauptet, dass der Geist in Holyrood House bis heute sein Unwesen treibt…

Einige Zitate von dem Roman

Während man den Roman The Italian Secretary liest, wird das generelle Thema des Buches klar. Der Geist von Holyrood House nimmt eine klare Position im Buch ein und wird ständig hinterfragt. So fragt Watson relativ am Anfang des Romans:

But, Holmes, you surely are not – you cannot be saying that you believe a – a ghost to be at work here? Some wraith that is haunting Holyroodhouse? (S. 56)

Am Anfang des Romans nimmt das Übernatürliche noch zunächst einen kleinen Teil ein, wird aber im Laufe des Romans weiter ausgeführt, nachdem die beiden Helden in Schottland ankommen. Watson ist verwundert über Holmes:

Are you serious, Holmes? Half the population of Scotland believes a murderous ghost is at work? (S. 170)

Holmes wirkt in diesem Zusammenhang ratlos und kann sich die Morde nicht wirklich erklären. Der Leser erwartet in diesem Zusammenhang eine natürliche Erklärung am Ende des Romans.

Spoiler im nächsten Zitat! Holmes resümiert am Ende des Romans über das Thema Geister und kommt zu dem Entschluss:

Within the study of crime, Watson, as within the study of all disciplines, phenomena occur that we are powerless to explain. We tell ourselves that some day the human mind will explain them; and perhaps it shall. (S. 259)

Selbst der große Sherlock Holmes kann etwas nicht erklären und eine endgültige Lösung zu diesem Fall erklären. Und das ist einer der größten Kritikpunkte welches in zunächst an diesem Buch habe.

Bereits das Thema mit dem Geist von Holyrood House dachte ich bereits am Anfang des Romans: Ach, am Ende wird das Übernatürliche von Sherlock Holmes als etwas Natürliches erklärt. Leider kommt das nicht und damit wird eine der Grundregeln von Conan Doyle gebrochen. Eine logische Erklärung am Ende.

Meine Gedanken zum Roman

Insgesamt bieten die Themen, die in The Italian Secretary angesprochen werden mit dem Königshaus, Schottland als Reiseziel und der mysteriöse Doppelmord großes Potenzial.

Caleb Carr’s Darstellung von Sherlock Holmes ist super und ist dicht an der Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle: Brilliant, unsoziales Verhalten gegenüber anderen und immer einen Schritt voraus. Jedoch ist sein Partner Dr. Watson nicht der Watson, den ich aus den Originalgeschichten kenne. Ellenlange Gedankengänge in der anfänglichen Zugfahrt und lange Erklärungen über die Historie zum Königshaus machen es anstrengend dem Biografen von Holmes zu folgen.

Natürlich ist der Autor Caleb Carr bekannt für historische Romane wie The Alienist und das merkt man dem Roman deutlich an. Viele geschichtliche Aspekte, historische Figuren und meiner Meinung nach wenige klassische Elemente eines Holmes-Abenteuers.

Auch die Entwicklung der Geschichte geht schleppend voran. Dazu muss man wissen, dass dieser Roman The Italian Secretary von der offiziellen Conan Doyle Estate beauftragt wurde. Jedoch nicht als Roman sondern als Kurzgeschichte. Und das merkt man!

Ein Beispiel macht die Länge deutlich. Die Reise nach Schottland dauert alleine schon 100-120 Seiten! Darin enthalten lange Dialoge und Monologe von Watson und Holmes. Auch der klassische Faktor Wer hat es getan? (Who-Dunnit?) wird durch das Element des spukenden Geistes ausgehebelt.

Jedoch gibt es auch positive Elemente, die es wert sind hier zu nennen. Der generelle Schreibstil ist flüssig und ist, trotz einiger Längen von Watson, nahe an dem Original. Auch das Ende ist trotz der enttäuschenden Erklärung bis zum Schluss mystisch, hat ein schnelles Tempo und ist spannend.

[Spoilergefahr!] Auch werden in Carr’s Roman The Italian Secretary Referenzen zu den Originalgeschichten gemacht, die Spaß machen. Ein Beispiel wäre ein Bezug zu The Hound of the Baskervilles:

[…] Lord Francis ist among the best of this criminal type that we have encountered together. You will recall the man who called himself Stapleton, some years ago?

Of course, I replied. The Baskerville case.

Auch die Einbindung von Mycroft Holmes als Auftraggeber macht Sinn und ist logisch, da sich die Geschichte generell mit dem Königshaus und somit mit politischen Angelegenheiten beschäftigt.

Fazit

Wer also Spaß an historischen Romanen hat, sich gut in der britischen Geschichte auskennt und die Figuren von Sherlock Holmes und Dr. Watson dabei haben möchte, der bekommt mit The Italian Secretary einen Roman der lesenswert ist. Zwar hat er einige Längen und das Thema mit den Geistern ist auch nicht jedermanns Sache, jedoch ist die Welt des Sherlock Holmes in den meisten Fällen glaubhaft geschrieben.

Für mich persönlich wird jedoch viel Potenzial verschenkt. Die Themen an sich sind gut, die Ausführung ist aber nicht immer überzeugend.

+ Spannende Themen wie Königshaus, Schottland und Doppelmord

+ das Ende ist spannend, mysteriös und hat ein schnellen Tempo

deutliche Längen im Roman, die mühsam zu lesen sind

 das Thema der Geister (untypisch für Conan Doyle)

– untypischer Watson als Erzähler

    

(3 von 5)


Quellen:

  • Carr, Caleb. 2015. The Italian Secretary: A Further Adventure of Sherlock Holmes. Sphere.

Weitere Reviews findest du, wie immer, hier.






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