#117 SherlockSunday: Back To His Native Strand (P. G. Wodehouse 1903)

Heute gibt es im neuen SherlockSunday ein besonderes Sherlock-Holmes-Gedicht, dass ich mit euch zusammen einordnen und besprechen möchte. Zunächst ist der Titel „Back To His Native Strand“ nicht gerade aussagekräftig. Doch was verbirgt sich hinter dem Gedicht? Lasst es uns herausfinden.

Ein paar Eckdaten vorweg, Kontext ist wichtig

Das Gedicht „Back To His Native Strand“ wurde am 27. Mai 1903 im Punch-Magazin von P. G. Wodehouse veröffentlicht. P. G. Wodehouse, der einen eigene Vorstellung auf dem Blog definitiv verdient hat, war Autor aber auch Fan von Conan Doyles Werken und schrieb außerdem zwei Pastiches mit Sherlock Holmes. „Back To His Native Strand“ hat 45 Zeilen und lässt sich in einem wichtigen Sherlock-Holmes-Zeitraum einordnen: nach dem Tod in den Reichenbachfällen. Zur übersichtlichen Einordnung:

  • The Adventure of the Final Problem 1893
  • The Hound of the Baskervilles 1902
  • Gedicht „Back To His Native Strand“ Mai 1903
  • The Adventure of the Empty House September 1903

Schaut man sich nur die Eckdaten an, so kann man hier bereits ableiten, dass das Gedicht etwas mit der anstehenden Rückkehr von Sherlock Holmes zu tun hat. Bereits die Zeitungen schrieben über Gerüchte, dass angeblich Conan Doyle seinen Holmes auferstehen lassen möchte. P. G. Wodehouse wurde höchstwahrscheinlich von diesen Gerüchten inspiriert

Der Meisterdetektiv kehrt zurück und die Leser des Strands haben ihren Sherlock zurück. Doch nun zu dem Gedicht von P. G. Wodehouse.

„Back To His Native Strand“ – Eine inhaltliche Betrachtung

BACK TO HIS NATIVE STRAND by P. G. Wodehouse

Das Gedicht teilt sich grundsätzlich in drei Teile ein:

  1. Die Trauer um seinen Tod,
  2. Die mögliche Auferstehung
  3. Die Folgen seiner Wiederkehr

1

Oh, Sherlock Holmes lay hidden more than half a dozen years.

Hier ordnet Wodehouse den Tod von Sherlock Holmes ein, der nach genauer Betrachtung der Zahlen bereits 10 Jahre tot ist (Baskerville mal ausgenommen, da es retrospektiv ist…). Holmes hat sein geliebtes London mit vielen Zweifeln und Ängsten zurückgelassen. Der ikonische und mysteriöse Kampf mit Moriarty wird beschrieben ( They grappled on a cliff-top, on a ledge six inches wide).

ABER die neusten Berichte sollen seine angebliche Wiederkehr ankündigen, da er lediglich einige Prellungen erlitten hat ( But the very latest news is / That he merely got some bruises.). Oh ja, Sherlock Holmes ist wieder in der Stadt! (Oh Sherlock, Sherlock, he’s in town again,). Wodehouse beschreibt Sherlock Holmes interessanterweise als:

  • prince of perspicacity = Prinz der Scharfsinnigkeit
  • monument of brain = Monument eines Gehirns

Es scheint also, dass Sherlock nichts passiert ist.

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In der zweiten Hälfte schreibt Wodehouse über das Verlassen des Strands, die auch dem Gedicht dem Namen verleiht: Back to His Native Strand; die Rückkehr zu seinem ursprünglichen Strand (vergleichbar mit einer Heimat?). Wodehouse beschreibt den ungeheuren Aufschrei nach dem Tod von Holmes (groans, sobs, tears) aber die Optimisten haben sich schon gedacht, dass Holmes auferstehen würde. Und wer hat in wieder entdeckt? Natürlich Conan Doyle, der aber nun erklären muss, wie er in wiedergefunden hat! Aber Wodehouse ist der Meinung, auch wenn die Erklärung sehr dünn sein wird, kümmert es keinen. Hauptsache er gibt uns Sherlock wieder.

Sir Conan has discovered him, and offers to explain.

The explanation may be thin,

But bless you! we don’t care a pin,

If he’ll but give us back our Sherlock.

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Abschließend folgt dann die Konsequenz aus der Wiederkehr: Die Kriminellen werden wieder verzweifelt sein (robber, murderer, thiefs). Die Zeilen geben dem Leser verschiedene Kriminelle und Wodehouse verpackt es elegant zu einem Gedicht. Hier wirkt das Gedicht etwas zu lang und bietet nichts neues. Grundsätzlich haben es die Verbrecher es wieder schwieriger.

Jedoch finde ich haben insbesondere die letzten drei Zeilen einen tolles Reimschema:

The world of crime has got the blues,

For Sherlock’s out and after clues,

And everything’s a clue to Sherlock.

Die Welt des Verbrechen trauert. (Sprichwort: to have the blues = to feel sad)

Denn Sherlock ist da und verfolgt erneut die Hinweise.

Und für Sherlock ist alles ein Hinweis.

Ein wirklich tolles Gedicht von P. G. Wodehouse und nimmt man den Kontext genauer unter die Lupe, dann wirkt das Gedicht umso deutlicher. Ein weiteres Abbild dafür, dass die Stimmung nach dem Tod von Sherlock Holmes eine sehr traurige gewesen sein muss.


Quellen:


Zu weiteren SherlockSundays geht es hier.






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