#16 Review: A Sherlock Holmes Companion (Peter Haining)

  • Titel: A Sherlock Holmes Companion
  • Autor: Peter Haining (ed.)
  • Verlag: Barnes & Noble
  • Erscheinungsjahr: 1994
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: 216

Ach, schon wieder ein Sherlock Holmes Companion? Ein weiteres Erklärungswerk, welches die Welt von Sherlock Holmes beschreibt. Erneut den Tod von Sherlock Holmes in den Reichenbachfällen beschreibt und den anschließenden Aufschrei… NEIN! Ganz und gar nicht in diesem Buch!

Aufbau des Buches

Vor dem Lesen des Buches dachte ich natürlich an einen klassischen Aufbau eines “Companions”: Beginn von Holmes mit A Study in Scarlet, Tod in den Reichenbachfällen, grobe Übersicht zu Film, Fernsehen und Theater und einen Ausblick auf die Zukunft.

A Sherlock Holmes Companion ist jedoch eine Ansammlung von Artikeln verschiedenster Autoren. Man könnte natürlich nun denken, dass es Artikel sind, die für dieses Buch neu geschrieben wurden. Jedoch sind es Klassiker aus verschiedenen Zeiträumen. Es finden sich zahlreiche Autoren wieder, die in der Sherlock Holmes Szene bekannt sind:

  • John Bennett Shaw
  • Franklin D. Roosvelt (Bekennender Sherlock Holmes Fan)
  • Winifred Paget (Sidney Pagets Tochter)
  • J. M. Barrie (Autor von Peter Pan)
  • Basil Rathbone
  • P. G. Wodehouse
  • John Gardner
  • … viele mehr

Nicht nur das Peter Haining diese großartige Auswahl getroffen hat, sondern er hat auch zu jedem Artikel eine kurze Einleitung geschrieben, die jedem Leser einen Einblick über die Auswahl und den Kontext gibt.

Des Weiteren hat Peter Haining das Buch A Sherlock Holmes Companion aufgelockert und zwischendurch Kreuzworträtsel und Puzzle eingebaut, die aber teilweise sehr schwer sind. Lösungen sind natürlich am Ende des Buches. Auch diese Auswahl an Kreuzworträtseln sind eine Sammlung aus Magazinen oder Büchern.

Zweck von A Sherlock Holmes Companion

In der Einleitung von A Sherlock Holmes Companion beschreibt Peter Haining des eigentlichen Zweck des Buches:

“My purpose in this compendium has been to make generally available some of the best essays and articles written about the legend by Sherlockians of all shades of opinions.” (S. 9)

Der Zweck liegt eigentlich nahe. Peter Haining möchte die besten Aufsätze und Artikel zusammenstellen, die von Sherlockianern jeder Meinung und Ansichten geschrieben wurden.

Und genau diese Zusammenstellung ist ihm sehr gelungen. Hier eine Übersicht aller Artikel:

Beispiele aus dem Buch

Der Artikel The Artist Who Made Holmes Real von der Tochter von Sidney Paget Winifred ist ein typisches Beispiel.

“Paget’s daughter, Winifred, describes how her father helped make Holmes ‘the most universally familiar imaginary figure in two hemispheres” (S. 41)

Die bekannteste Illustration von Sherlock Holmes – gerettet!

Natürlich kennen viele Sherlockianer die Geschichte, dass der Auftrag über das Anfertigen von Sherlock Holmes Illustrationen an den Bruder Walter Paget gehen sollte, jedoch durch ein Versehen ging es an Sidney Paget.

 

Für mich ein Detail aber auch neu an dieser Geschichte. Nahezu jeder kennt das wohlbekannteste Porträt von Sherlock Holmes von Sidney Paget (links). In dem Artikel beschreibt Winifred Paget, dass diese Porträt von Sherlock Holmes von Sidney Paget im Mülleimer gelandet ist und von der Frau von Paget gerettet wurde. Mit anderen Worten verdanken wir der Frau, dass wir diese bekannte Porträt von Sherlock Holmes heute haben. Diese kleinen Details machen Spaß.

Studies in the Literature of Sherlock Holmes von Ronald Knox

Nach Peter Haining ist Studies in the Literature of Sherlock Holmes von Ronald Knox der wichtigste Aufsatz:

“This is widely considered the most important of all the many hundreds of essays that have been written about Sherlock Holmes.” (S. 47)

Ein sehr wissenschaftlicher Ansatz um auf den Kanon von Sir Arthur Conan Doyle einzugehen. So zeigt Ronald Knox in diesem Aufsatz verschiedene inconsistencies (Fehler, Inkonsistenten) im Kanon auf. Beispiele sind dafür die verschiedenen Morgenmäntel (siehe #30 SherlockSunday: Dressing Gowns und Sherlock Holmes), den wahren Namen von Moriarty oder die Reihenfolge der Geschichten. Dieser Aufsatz ist länger und die Informationsdichte ist sehr hoch. Viele Themen und Theorien werden angerissen und hierbei lohnt es sich diese Ansätze weiter zu verfolgen. Der Aufsatz Studies in the Literature of Sherlock Holmes von Ronald Knox ist äußerst lesenswert.

Das Buch zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit aus und behandelt wie in der Einleitung besprochen viele Ansichten und Meinungen. Es gibt Artikel über die verschiedenen Pfeifen von Holmes (S. 60), Theorien über den exakten Ort der Baker Street 221b  (S. 73), ein Artikel vom amerikanischen Präsidenten Roosevelt (Sherlock Holmes was an American, S. 101) oder der ersten Parodie von 1893 The Adventure of Picklock Holes (S. 120). Dies ist aber nur eine kleine Auswahl der Themen.

Auch der Artikel von Basil Rathbone, einer der bekanntesten Schauspieler des Sherlock Holmes, hat eine besondere Begegnung im Central Park gehabt, bei der er auf der Bank gesessen hat und mit jemanden gesprochen hat, der John Watson hieß.

Es gibt aber auch ein paar Aufsätze, die die Welt von Sherlock Holmes “überinterpretieren”. So z.B. der Ansatz, dass James Moriarty und Dracula die selbe Person sind (Re: Vampires von William Leonard).

Fazit

Das Buch A Sherlock Holmes Companion richtet sich ganz klar an Kenner von Sherlock Holmes. Jene, die bereits die Kurzgeschichten/Romane und die wichtigsten Ereignisse kennen. Teilweise verfolgen einige Artikel/Aufsätze einen wissenschaftlichen Ansatz oder sind witzig geschrieben.

Ich bin mit der Einstellung an das Buch gegangen, dass es sich wieder um ein Standardwerk über die Beschreibung der Welt von Sherlock Holmes handelt. Ich wurde dort aber überrascht. Die Vielfältigkeit der Aufsätze ist genial, der Anspruch die besten Artikel auszuwählen und mit einem Kommentar zu versehen, zeichnet dieses Buch einfach aus. Man sollte aber der Sprache Englisch schon mächtig sein, da die Artikel nicht immer einfach geschrieben sind.

+ Vielfältigkeit und Bedeutsamkeit der Aufsätze/Artikel

+ Kontext und Kommentar von Peter Haining

+ Kreuzworträtsel und Quiz als Auflockerung

 englische Sprache teilweise nicht ganz leicht

 “Überinterpretation” von Sherlock Holmes

    

(4 von 5)


Quellen:

  • Haining, Peter 1994. A Sherlock Holmes Companion. Barnes & Noble.
  • Keine Veränderungen an den Scans (dienen nur zur Veranschaulichung)
  • Sherlock Holmes Porträt von Sidney Paget (Public Domain)

Weitere Reviews findest du, wie immer, hier.






Ein Gedanke zu „#16 Review: A Sherlock Holmes Companion (Peter Haining)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.