#20 Review: The Seven-Per-Cent Solution (Nicholas Meyer)

  • Titel: The Seven-Per-Cent Solution
  • Autor: Nicholas Meyer
  • Verlag: Hodder and Stoughton
  • Erscheinungsjahr: 1975
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: 224

Ich nehme an, dass viele Sherlock-Holmes-Fans (mich eingeschlossen) den gleichnamigen Film gesehen haben. Für mich war „The Seven-Per-Cent Solution“ immer Buch, welches ich immer einmal lesen wollte. Nun kommt dazu das dazugehörige Review!

Worum geht es? (Spoilerfrei)

Teil 1

Generell werden in The Seven-Per-Cent Solution zwei Figuren miteinander verbunden: Sherlock Holmes und Sigmund Freud. Der Roman spielt 1891 und zeichnet Sherlock Holmes als einen drogenabhängigen Detektiv, der von von Kokain derart süchtig ist, dass er sein Leben nicht mehr im Griff hat. Natürlich ist auch Moriarty mit dabei, der für Holmes zum Albtraum wird. Holmes spricht gerade am Anfang über eine große Tragödie in seiner Kindheit, die am Ende des Romans aufgelöst wird.

Der große Teil von The Seven-Per-Cent Solution handelt von der Sherlock Holmes’ Drogenabhängigkeit und der Heilung. Watson kommt auf die Idee einen Doktor in Wien zu kontaktieren, der spezielle Hypnosetechniken einsetzt. Da kommt Sigmund Freud ins Spiel. Mit einem Trick lockt Watson seinen Freund Sherlock Holmes nach Wien, um anschließend Freud zu treffen. Die zahlreichen Beschreibungen, der Verlauf seiner Heilung und die Dialoge zwischen den beiden Figuren Holmes und Freud bildet den ersten Teil des Buches.

Teil 2

Der zweite Teil von The Seven-Per-Cent Solution beschäftigt sich mit dem Verschwinden von einer Patientin, die in Freud’s Behandlung ist. Der plötzliche Fall in Wien dient zum größten Teil zur Genesung von Sherlock Holmes’ Gesundheit. Der weitere Verlauf beinhaltet dann klassische Elemente einer Sherlock-Holmes-Geschichte mit Baronen, Deduktionen und einem fulminanten Ende. Ich sage nur eine spektakuläre Zugverfolgung. Nebenbei verhindert Sherlock Holmes, Dr. Watson und Sigmund Freud noch den nächsten Europäischen Krieg (Referenz zum späteren 1. Weltkrieg).

Nachdem der Fall gelöst ist, gibt es dann noch eine letzte Hypnose von Sherlock Holmes, in der der Detektiv seine Kindheit beschreibt. Allein das Ende ist spektakulär genug, aber dazu später mehr!

Nennenswerte Zitate

Gerade zu The Seven-Per-Cent Solution habe ich mir viele Notizen gemacht und sie alle zu nennen wäre einfach zu viel. Daher beschränke ich mich auf folgende 5 Zitate.

EINS: Der Gesundheitszustand

“He seemed thinner and paler than usual which was thin and pale indeed, for he was habitually gaunt and white“ (S. 22)

Bereits am Anfang wird der kritische Gesundheitszustand beschrieben. Wer Sherlock Holmes’ Ess- und Rauchgewohnheiten kennt, dem wundert natürlich nichts, aber der Zustand am Anfang von The Seven-Per-Cent Solution ist kritisch und Watson als Freund eingreifen. Er muss seinen Freund nach Wien locken.

ZWEI: Freundschaft

“I have even heard it postulated that my willingness to supply Holmes with his drugs was the only reason he tolerated my companionship“ (S. 26)

The Seven-Per-Cent Solution ist ein sehr tolles Beispiel für die Freundschaft der beiden Figuren. Hier an diesem Zitat wird der Zweifel an der Freundschaft deutlich. Jedoch beweisen viele weitere Zeilen in dem Roman die wahre Freundschaft. Selbst Sherlock Holmes dankt Sigmund Freud und Watson am Ende des Romans, was die Freundschaft nochmals hervorhebt.

DREI: Kanon

“Good old Watson! You are the one fixed point in this universe of avalanches.“ (S. 84)

Gibt es nicht viel hinzuzufügen. Das bekannte Zitat in einer abgewandelten Form. Ein Beispiel von vielen Zeilen, die beweisen sollen, wie Nicholas Meyer es schafft in den meisten Teilen des Buches den Ton und die Struktur von Doyle zu benutzen.

VIER: Conan Doyle?!

“Tell me, I said, (…) do you know an English doctor named Conan Doyle? (…) Dr. Doyle has influence with certain literary magazines in England“ (S. 112)

An dieser Stelle sprich Watson zu Freud. Hier ein toller Beweis dafür, wie Nicholas Meyer es nutzt jede Menge kleine lustige Anekdoten in The Seven-Per-Cent Solution einzubauen. Neben den lustigen Fußnoten gibt es von diesen Szenen einige. Und wir wissen natürlich alle welches Magazin gemeint ist…

FÜNF: Actionreiche Szenen

“As we lurched through the magnificent Bavarian countryside, the two men faced each other at opposite ends of the car.“ (S. 206)

Ein Beweis von vielen, die den actionreichen Teil am Ende des Romans widerspiegelt. Sehr spannend geschrieben und ich habe dem Ende entgegengefiebert. Wer hier die zwei „Männer“ sind bleibt an dieser Stelle offen!

Was bietet uns The Seven-Per-Cent Solution nun?

Um das Fazit direkt vorweg zu nehmen. The Seven-Per-Cent Solution gehört mit Recht zu einem der besten Pastiches die geschrieben wurde. Im Vorfeld vor dem eigentlichen Lesen habe ich bereits viel darüber gelesen und wollte mir selber ein eigenes Bild machen. Und dieses Bild ist einfach nur toll. Die gesamte Struktur bildet mit dem wirklich kranken Holmes, der wieder lebendig wird, eine tolle Genesungskurve. Man spürt Holmes’ Genesung bei der Bewältigung des Falls um Nancy Slater. Dabei spielt die Figurenentwicklung eine wichtige Rolle, die nicht nur bei Holmes sehr ausgeprägt ist, sondern auch bei Sigmund Freud.

Ich war am Anfang ein wenig skeptisch den Ort nach Wien zu verlegen, die Figur Sigmund Freud einzubauen und dann auch noch einen Fall rein zu quetschen. Doch der Roman wirkt nie wirklich durch seine über 200 Seiten gehetzt. Das Beziehungsgeflecht zwischen Holmes, Watson und Freud ist einfach wunderbar und man selbst als Leser spürt die Freundschaft zwischen Holmes und Watson.

Sherlock-Holmes Puristen?

Ergänzend dazu kommt das spannungsgeladene Ende, welches natürlich Geschmacksache ist. Hier könnte der Sherlock-Holmes-Purist Einspruch erheben und dies als zu „actionreich“ empfinden. Doch gerade die Enthüllung am Ende nach der Beendigung des Falls ist einfach überraschend. Denn dort wird ganz klar erläutert, wie es zu der Feindschaft von Moriarty kam und Sherlock Holmes berichtet unter Hypnose über seine Kindheit. Absolut glaubwürdig! Für mich persönlich wird das Ende des Romans immer eine sehr logische Erklärung über die Beziehung zu Moriarty sein, mit der Gefahr, dass ich glaube, dass es zum Kanon gehört. Hier kann man natürlich widersprechen! 😉

Ich habe lange über negatives Punkte überlegt und nur Kleinigkeiten gefunden. Ja, der eigentlich Fall einer Sherlock-Holmes-Geschichte kommt spät, hat aber die Funktion der Genesung. An einigen Stellen wirkte der Roman, insbesondere nach der ersten Hypnose (Stichwort:Tennisspiel) ein wenig lang, soll aber den Genesungsprozess authentisch erscheinen lassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das actionreiche Ende für Sherlock-Holmes-Puristen negativ sein könnte. Ich würde mal behaupten, das jeder Sherlock-Holmes-Fan The Seven-Per-Cent Solution lesen sollte.

steigernder Verlauf des Romans (Drogenabhängikeit -> Genesung -> Action)

Figurenentwicklung bei Holmes, Watson und Freud

Das Ende in dreifacher Sicht (spannend; Enthüllung der Feindschaft von Moriarty; Kindheit von Sherlock Holmes)

– an einigen wenigen Stellen ein paar Längen

der eigentliche Fall erst später (jedoch für die Genesung von Holmes glaubwürdig)

  

(5 von 5)


Meyer, Nicholas. 1975. The Seven-Per-Cent Solution. Hodder & Stoughton.

  • Cover dient nur zur Ansicht und wurde nicht verändert.

Weitere Reviews findest du, wie immer, hier.






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