#27 Review: Sherlock Holmes and the Theatre of Death (Val Andrews)

  • Titel: Sherlock Holmes and the Theatre of Death
  • Autor: Val Andrews
  • Verlag: Breese Books
  • Erscheinungsjahr: 1997
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: 125

Ich habe einige dieser kleinen Büchlein in schwarz aus dem Verlag Breese Books und wollte immer schon ein Pastiche von Val Andrews lesen. Den Titel fand ich dabei doch sehr ansprechend und spannend. Gilt das auch für den Rest des Pastiches?

Die übliche (spoilerfreie) Inhaltsangabe

Sherlock Holmes ist im Ruhestand. Holmes und Watson sind auf einer Angeltour in Perthshire, Schottland, als ein Boot angerudert kommt. Irgendwie kann Sherlock Holmes nicht wirklich ohne Arbeit und nimmt den Fall eines abgebrannten Theaters an. Der Anwalt Septimus Greshot beauftragt Holmes das Todestheater zu untersuchen. Mit mehreren Toten war der Brand ein schreckliches Ereignis sowohl für den Besitzer Sir Edward Moss als auch für die Künstler. In dem Brand ist der großartige, weltbekannte The Great Lafayette gestorben, der mit bürgerlichen Namen Sigmund Neuberger hieß. Ein exzentrischer Magiekünstler, der seine Assistenten wie Soldaten behandelt. Mit seinem großen Hund („BEAUTY“), den er von Harr Houdini geschenkt bekommen hat, absolvierte er die großartige Show „The Lion’s Bride“. Der Hund, so deduziert Holmes gleich, ist eines der Schlüssel zu dem Rätsel. Sein Halsband wirkt sehr verdächtig nachdem es in der Leichenhalle von Holmes untersucht wurde…

Empire Theatre als mysteriöser Ausgangsort

Doch irgendetwas stimmt ebenfalls nicht mit dem Empire Theatre. Der Leichnam von Neuberger ist zur Unkenntlichkeit verbrannt und der verantwortliche Inspektor Douglas McCloud ist überhaupt keine Hilfe. Er hält gar nichts von der deduktiven Herangehensweise von Holmes und den Geschichten von Watson. Die Künstler der Show sprechen schlecht von dem großen Lafayette/Neuberger. Durch seine erfolgreichen Auftritte kam Neuberger zu viel Geld. Wo ist das Geld? Was ist mit seinem Nachlass? Wer ist für den Brand und damit dem Tod des Künstlers verantwortlich? Was befindet sich unterhalb des Theaters?

Figuren des Pastiches und einige Zitate

An dieser Stelle möchte ich mit einigen Figuren aus dem Pastiche Sherlock Holmes and the Theatre of Death starten. Zählt man die wichtigsten Figuren auf, so ergibt sich folgende Liste:

  • Septimus Greyshot: Anwalt
  • Sigmund Neuberger/The Great Lafayette: Magiekünstler
  • Douglas McCloud: Inspektor
  • Sir Edward Moss: Besitzer des Empire Theaters
  • Louise Latour/Lilly Davies: Künstlerin in „The Lion’s Bride“
  • Chester Schultz: Künstler in „The Lion’s Bride“
  • Harry Houdini: berühmter Künstler
  • Madame Yvette Helene: Detektivin

Es gibt natürlich noch einige weitere Figuren, die in dem Pastiche erwähnt werden, die aber nicht weiter von Bedeutung sind. Gerade die Figuren in Sherlock Holmes and the Theatre of Death machen das Buch interessant, auch wenn sie holzschnittartig gestaltet sind. Ich habe mich irgendwie ein wenig an einen Agatha Christie Roman erinnert gefühlt. Aufgrund dieser Handvoll von Figuren konnte man an jeder Stelle mitraten und wurde nicht, wie so üblich im Dunkeln gelassen. Auch wenn es die übliche Erzählperspektive von Watson ist. Und er wird natürlich wieder hinter das Licht geführt…

Tolle Interaktionen der Figuren

Sherlock Holmes and the Theatre of Death hat einige tolle Momente, die sich lohnen genannt und erläutert zu werden. Gerade der Anfang des Buches mit der Situation des niedergebrannten Theaters bietet detaillierte Beschreibungen. So z.B. die Erläuterung zu dem verbrannten Sigmund Neuberger:

“His body was badly burned that he was identified only from the costume he was wearing and the huge iron sword which he carried in this particular characterization.“ (S. 16)

Ich war ein wenig skeptisch, dass Andrews eine komplett verbrannte Leiche genommen hat. Holmes war auch sofort skeptisch… Und dann hatte er auch seine üblichen Ringe nicht an den Fingern… Aber die Beziehung von Neuberger zu seinem Hund und letztendlich zu seinem Charakter zeigt den exzentrischen Künstler:

“The more I see of men, the more I love my dog.“ (S. 13)

Der arme Watson, wie immer!

Großartig fand ich die Interaktion mit dem Inspektor Douglas McCloud, denn er war komplett gegen die Arbeit von Sherlock Holmes und sah es nicht ein, warum er hier seine üblichen Deduktionen durchführen sollte. Und dann macht er den armen Watson auch noch richtig nieder:

“(…) Man, I’ve read your scribblings in ‚The Strand‘ and I’m bound to tell you that they are blather for the most part.“ (S. 24)

Nur zum Verständnis: Scibblings sind Gekritzel und blather ist Geschwafel. Das ist nun wirklich heftig! Holmes musste ihn also überzeugen, auch gegen den Willen des Inspektors. Leider kommt der werte Inspektor später nicht mehr tiefgreifender vor. Schade!

Bei der Beerdigung von Neuberger treffen der großartige Harry Houdini und Sherlock Holmes aufeinander, der wiederum die Arbeit von Holmes lobt. Houdini findet es aber schade, dass er ein Held geworden ist. Er wäre ein großer Künstler geworden:

“By Jove, you are a showman at heart, Mr. Holmes. The business lost a great potential impresario when you decided to become a sleuth.“ (S. 86)

Es ist genau dieser Gedanke, der in Sherlock Holmes and the Theatre of Death eine große Rolle spielt. Sherlock Holmes als überzeugender Verkleidungsspezialist und Rollenschlüpfer. Denn auch wie in vielen Pastiches spielt die Verkleidung von Holmes eine zentrale rolle, um an Informationen zu kommen. Leider musste Watson genau diese Verkleidung wieder spüren, denn er wird wie häufig in der das Licht geführt. In Sherlock Holmes and the Theatre of Death auch mehrmals…

Referenzen zu dem Kanon

Wie üblich gibt auch Sherlock Holmes and the Theatre of Death einige Referenzen zu dem Kanon von Sir Arthur Conan Doyle. Direkt vor der eigentlichen Geschichte gibt es wie immer den Hinweis von Watson, dass es sich bei dem vorliegenden Abenteuer um eine sehr brisante Geschichte handelt. Hier vermischt sich wieder die Fiktionalität der Geschichte und der Perspektive des Biographen. Immer ein guter Start!

Eine Referenz handelt noch über den abscheulichen Hound (naheliegend bei dem Hund „BEAUTY“ von Neuberger). Holmes wird zu einem Zeitpunkt in dem Pastiche von einem Hund angegriffen und kann den Hund austricksen:

“A little trick I learned from policemen who handle bloodhounds, Watson.“ (S. 77)

!!!SPOILER SPOILER SPOILER für die nächste Referenz!!!

Im weiteren Verlauf der Geschichte finden Holmes und Watson 6 verschiedene Schlüssel, die in dem Halsband von Neubergers Hund versteckt war. Zu diesen 6 Schlüsseln gibt es auch 6 Boxen, die sich nur mit den Schlüsseln aufschließen lassen. Die Zahl 6 sowohl von den Schlüsseln als auch den Boxen erinnerte mich sofort an die 6 Napoleons in The Six Napoleons oder aber auch an das Basil Rathbone AbenteuerJagd auf Spieldosen. Ersteres ganz deutlich, beim zweiten vielleicht nur ein loser Gedanke… (ENDE SPOILER)

Abschließende Gedanken

Sherlock Holmes and the Theatre of Death lohnt sich wirklich. Val Andrews macht gute Arbeit die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle zu imitieren und benutzt dazu die gewohnte Erzählperspektive, Referenzen und klare Figuren. Ungefähr Dreiviertel des Buches waren absolut gelungen und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Spannung ist hier auf jeden Fall gegeben, denn zu jedem weiteren Hinweis folgt eine neue Verkettung der Ereignisse. Auch wenn die Figuren doch sehr holzschnittartig sind, hat mir die Menge und die Vielfalt der Figuren gut gefallen. Ein Beispiel einer stereotypischen Figur wäre Sir Edward Moss, der Besitzer des Theaters, der nur auf Profit bedacht ist. Aber auch kleinere Aufritte von Lestrade waren gelungen, auch wenn er wenig zu dem Fall beigetragen hat.

Mysteriös bleibt für mich nur die Figur Yvette Helene, die eine Art weiblichen Sherlock Holmes darstellen soll. Sie trägt viel zu dem Fall bei, bleibt für mich aber mysteriös! Ein wenig mysteriös und abrupt fand ich leider das Ende von Sherlock Holmes and the Theatre of Death. Wie häufig in den vorherigen Reviews zu Pastiches hat mir auch hier das Ende nicht gefallen, da es sehr abrupt war und doch leider einige Fragen übrig ließ… Trotzdem hält sowohl der Titel als auch der Inhalt was es verspricht. Eine tolle Unterhaltung, die eine gute Länge hat (125 Seiten).

Ein letzter Tipp: Sehr empfehlenswert für Sherlock-Holmes-Fans, die ihr Englisch verbessern wollen. Sherlock Holmes and the Theatre of Death hat eine sehr einfache Sprache und lässt sich daher gut folgen!

+ gelungene Figuren, mysteriöse Ausgangssituation mit dem Theater

+ tolle Begegnungen, Gespräche der Figuren (Referenzen zum Kanon)

+ tolles Tempo des Pastiche mit vielen Hinweisen zum Mitraten

jedoch leider ein sehr abruptes Ende; lässt Fragen unbeantwortet 

o sehr empfehlenswert für Sprachanfänger 

   

(4 von 5)


Andrews, Val. 1997. Sherlock Holmes and the Theatre of Death. Breese Books.

  • Covers dienen nur zur Ansicht und wurde nicht verändert.

Weitere Reviews findest du, wie immer, hier.






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