#74 SherlockSunday: Der erste deutsche Sherlock Holmes?

Ich habe bereits einiges über Sherlock-Holmes-Darsteller auf meinem Blog geschrieben. Da fallen natürlich die üblichen Namen wie William Gillette, Eille Norwood, Basil Rathbone und wie sie alle heißen. Grenzt man die Frage nun noch weiter ein: Wer war der erste deutsche Sherlock Holmes Darsteller auf der Theaterbühne?

Ferdinand Bonn, der erste Sherlock Holmes?

Als noch relativ junger Sherlockianer fallen immer wieder neue Namen, von denen ich noch nichts gehört habe. So auch Ferdinand Bonn, der von 1861-1933 lebte, und ein deutscher Schauspieler, Bühnenautor und Theaterleiter war. Also hatte er reichlich Erfahrung im Bereich Theater, um den Meisterdetektiv zu verkörpern.

Zeitschrift “Berliner Leben”, Heft 09 (1906).

1906 und 1907 war es dann mit Sherlock Holmes und Der Hund von Baskerville soweit und er verkörperte höchstpersönlich den Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Die Inszenierung schrieb er selbst. Mit über 239 Auftritten lief das Stück Sherlock Holmes sehr erfolgreich. Nach meinen Recherchen war Sherlock Holmes eine Übersetzung von dem höchst erfolgreichen, gleichnamigen Stück von William Gillette, welches 1899 uraufgeführt wurde.

Von dem Stück Sherlock Holmes gab es auch eine französische Adaption im Theater mit Firmin Germier als Sherlock Holmes. Das ist aber eine weitere Geschichte für einen anderen SherlockSunday!

Zeitschrift “Berliner Leben”, Heft 09 (1906).

Es geht weiter mit Ferdinand Bonn: im Kino!

Die Reise der höchst erfolgreichen Theateraufführungen ging einen Schritt weiter und das Zeitalter des bewegten Films begann langsam. 1914 war es dann soweit und die Detektivkomödie Sherlock Holmes wurde von der Filmproduktionsfirma Vitascope verfilmt. Der Name des Films sollte aber nicht so schlicht nach dem Meisterdetektiv benannt werden, sondern wurde letztendlich in Sherlock Holmes contra Dr. Mors umbenannt. Ein mysteriöser Titel…

Es ist aber leider sehr wenig über die Verfilmung bekannt. Nach meinen Recherchen zu diesem Artikel gibt es keinerlei Filmszenen und auch der „Überlebensstatus“ des Originalfilms ist unbekannt, also wohlmöglich für immer verloren. Wie bereits der Titel vermuten lässt, treten in diesem Film Sherlock Holmes und Dr. Mors als Gegenspieler auf.

Zwischen 1918-1919 gab es dann weitere Filme mit Ferdinand Bonn als Sherlock Holmes, die wohlmöglich eigene Produktionen sind:

  • Was er im Spiegel sah (1918)
  • Die Giftplombe (1918)
  • Das Schicksal der Renate Yongk (1918)
  • Die Dose des Kardinals (1918)
  • Brockhaus, Band dreizehn (1918)
  • X Y Z (1918)
  • An den Herrn Ersten Staatsanwalt (1919)
  • Echte Perlen (1919)

Die Filmproduktionsfirma KoWo produzierte die oben genannten Filme mit den recht mysteriös-klingenden Namen. Teils gehören diese Filme zu einer 14-teiligen Serie mit Sherlock Holmes als Hauptfigur. Zuerst spielte Hugo Flink den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, welcher aber in den ersten Filmen bereits von Ferdinand Bonn abgelöst wurde. Aber selbst bei einigen Filmen dazwischen (so wie X Y Z) ist man sich nicht sicher ob Ferdinand Bonn Sherlock Holmes spielte.

Vor ein paar Monaten gab es wohl auf ebay eine seltene Autogrammkarte, signiert von Ferdinand Bonn, zu ersteigern:

Unterschrift von Ferdinand Bonn

Ein sehr spannendes Thema, welches man noch an vielen Stellen entwirren könnte. Insbesondere bei den Recherchen kam ich doch an einigen Stellen auf dem Geschmack tiefer in die Materie einzutauchen. Vielleicht bietet sich da ein Artikel für den „The Baker Street Chronicle“ der DtSHG an?


Quellen:


Zu weiteren SherlockSundays geht es hier.






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