Culverton Smith in BBC “Sherlock”: Rekonstruktion (Teil 3)

Der Artikel „BBC Culverton Smith“ wurde in einer Spezial-Ausgabe des “Baker Street Chronicles” Season 4 veröffentlicht. Leider ist die Spezialausgabe bereits vergriffen.

Aufgrund der Länge werde ich meinen Beitrag der Ausgabe in drei Teile aufteilen:

Der reale Culverton Smith: Jimmy Savile und H. H. Holmes

Culverton Smith basiert zu einem großen Teil auf einer höchst exzentrischen TV und Radio Persönlichkeit: Jimmy Savile. Der Brite war bis zu seinem Tod 2011 durch seine großzügigen Spendenaktionen und Charity-Arbeiten berühmt. Nach seinem Tod 2011 wurde die dunkle Fassade des Jimmy Savile enthüllt: Es wurde herausgefunden, dass er hunderte von Kindern, Erwachsene und Patienten sexuell missbraucht hat. Er hat seinen berühmten Status, seine generöse Fassade benutzt, um so Zugang zu Krankenhäusern oder sogar Leichenhallen zu bekommen. Ironischerweise und auf Culverton Smith übertragend, hat Jimmy Savile ebenfalls gewisse Aspekte seiner Verbrechen als Witz/Ironie zugegeben und wurde, ebenfalls wie bei Culverton Smith, als Teil seiner schillernden, verrückten Persönlichkeit zugeschrieben.

Ein weiteres Vorbild für den BBC-Charakter Culverton Smith wird durch Smith selbst als Vorbild in der Episode bezeichnet: H. H. Holmes. Der Nachname hat nichts mit Sherlock Holmes zu tun und ist lediglich Zufall. Henry Howard Holmes gilt als der erste Serienmörder der USA und es wird geschätzt, dass er über 200 Morde begangen hat. ‘Berühmt’ wurde Holmes durch sein sogenanntes ‘Horrorhaus’ in Chicago, welches auch als “The Castle” bezeichnet wird. Culverton Smith spricht in der Episode von H. H. Holmes und sympathisiert mit ihm:

Smith: “H. H. Holmes built a special hotel to kill people. […] He built a hotel, a special hotel, just to kill people.“

H. H. eröffnete das “Worlds’ Fair Hotel in Chicago 1889 für Touristen und wurde das Synonym für brutale Morde in einer 7-jährigen Periode. Holmes wurde 1896 in Philadelphia für seine Taten hingerichtet. 2010 erschien ein Buch (“The Devil in the White City”) von Erik Larson, welches diese Thematik behandelt und soll demnächst von Martin Scorcese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt werden.

Zusammenfassung und sonstige Bemerkungen

Die helle und dunkle Fassade des Culverton Smith wird in der Episode clever eingebaut und durch farbliche Akzente in den einzelnen Shots übertragen. Die helle Fassade des Medienstars, der Charity-Arbeiten und der Geschäftsmann wird in allen Shots in hell ausgeleuchteten Szenen gezeigt. Als Culverton Smith seinen Lieblingsraum zeigen möchte, wechseln die Farben in den Gängen nach unten in ein kontrastarmen und tristen Ton. Dieser Wechsel von hell und dunkel zeigt die unterschiedlichen Fassaden des Smith und lässt keine Zwischentöne erkennen. Entweder ist er die glanzvolle Berühmtheit oder der eiskalte Killer. Auch die Ironie die diese Episode ansetzt lässt den Zuschauer zweifeln, was nun das eigentliche Motiv des Killers ist. Auch wenn die Episode noch viel mehr hergeben würde und nicht die Überraschung der Episode bzw. die Auflösung nicht im Detail behandeln möchte, sollte sich nun ein erweiterter Blick auf die Figur Culverton Smith einstellen. Ein wahre Glanzleistung von Toby Jones!

Zuletzt bleibt noch eine letztes Gedankenspiel: Warum hat so eine Berühmtheit wie Smith als erfolgreicher Medienstar, als öffentliche Person verrottete Zähne? Ein visuell-öffentlicher und sichtbarer Hinweis auf den verdorbenen Charakter des Culverton Smith?


Quellen:


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